Sr. Joanna Jimin Lee über Parallelen zwischen ihrer Motivation als Konzertpianistin und als Ordensfrau sowie über die Verkündigung der Frohbotschaft.

Der Name meiner Ordensgemeinschaft ist nicht jedermanns Sache: Missionarinnen Christi. Vor allem das Wort „Mission“ war mir anfangs nicht geheuer. Klingt nach längst vergangenen Zeiten, fand ich. „Bloß nicht missioniert werden“, dachte ich. Zum Glück hatten die Schwestern mit mir aber keine Missionierung vor. So habe ich mich bei der Kirchenführung „wienORDENtlich“ mit Sr. Ruth Pucher, einer Missionarin Christi, angefreundet. Und als ich später – mittlerweile auf der „heißen Spur“ – im Folder las, „wir sind Frauen mit einer Mission“, wusste ich: Zu dieser Gemeinschaft möchte ich dazugehören.

Wie viele andere Missionare und Missionarinnen unserer Zeit, verstehen wir Missionarinnen Christi unter diesem vorbelasteten Wort „Mission“: weitergeben, was wir empfangen haben; erzählen, was wir erfahren haben; durchlässig sein, damit die frei-machende Liebe Christi bei den Menschen ankommt. Deshalb wollen wir auch die Sprache unserer Umwelt verstehen, mit dieser Freud und Leid, Trauer und Hoffnung teilen und unseren Glauben als eine lebenswerte Option anbieten.

Fremde Herzen öffnen sich

Das versuche ich als Missionarin Christi auch am Klavier. Jene Motivation, aufgrund derer ich im Alter von 14 Jahren Konzertpianistin werden wollte, war auch maßgeblich für meinen Entschluss zum Ordensleben, ja wurde dadurch noch verstärkt: teilhaben lassen an dem Leben, wie ich es in der Musik empfinde; Tiefs und Hochs unserer menschlichen Gefühle Ausdruck geben; frei von Berührungsangst begegnen und kommunizieren. Dann geschieht immer wieder, was ich als Jugendliche erlebt habe: Es entsteht eine Schwingung im Raum, fremde Herzen öffnen sich, die Haut wird dünner, und der Atem fließt ganz von selbst.

In Langen Nacht der Kirchen am 23. Mai werde ich wieder am Flügel „verkündigen“: Im Quo vadis? steht dafür ein Bösendorfer-Flügel, den ich während meiner Studienzeit als Preis bekommen habe: Was ich empfangen habe, will ich weitergeben. So findet im Quo vadis? auch jede zweite Woche ein Vortragsabend für Musikstudierende statt. Junge Musiker setzen sich bewusst dem Lampenfieber aus, hören einander zu und teilen Freud und Leid ihres Musikerlebens miteinander.

Das Wort „missionarisch“ kann einen in der Tat „narrisch“ machen, wenn Missionieren als nötigender Bekehrungsversuch verstanden wird: Ich soll doch niemanden bekehren außer mich selbst, immer wieder neu. Wenn aber unsere Mission als Christen darin besteht, die Freudenbotschaft zu verkünden durch unser Leben und nötigenfalls auch Wort, dann sollen wir doch alle „Missionare und Missionarinnen Christi“ sein! Oder?

Sr. Joanna Jimin Lee MC

… aus der Zeitschrift “miteinander” des Canisiuswerkes, 5-6/2014 (Redaktion: Henning Klingen)